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7) Samstag/Sonntag, 14./15. Februar – Modul 8: Sozialrecht und Samstag/Sonntag, 19./20. Februar – Modul 9: Sozialrecht
Vier äußerst anstrengende Tage über das umfangreiche Sozialrecht – Modul 8 und 9. Ich sitze an meinem Schreibtisch, der inzwischen aussieht wie die Außenstelle einer kleinen Behörde mit leichtem Kontrollverlust. Laptop aufgeklappt, Unterlagen gestapelt: eine Zusammenfassung des Betreuungsrechts, ein dicker Wälzer Sozialrechtskommentare, der beim Umblättern klingt wie ein kleines Gewitter. Daneben liegt ein Notizbuch voller Pfeile, Fragezeichen und euphorischer Ausrufezeichen, die ich offenbar immer dann male, wenn ich glaube, etwas verstanden zu haben – was sich später nicht immer bestätigt. Auf dem Bildschirm erscheint eine gewandte Rechtsanwältin. Ein kleines Rechteck voller Kompetenz. Ihre Stimme kommt aus meinen Lautsprechern und bringt Ordnung in ein Thema, das sich zunächst anfühlt wie ein…
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6) Mittwoch, 11. Februar – Modul 3: Personensorge Teil 1
Unterbringung, freiheitsentziehende Maßnahmen, ärztliche Zwangsmaßnahmen – schon der Titel klingt wie ein anspruchsvolles Rätsel, bei dem man gleichzeitig Jurist, Psychologe und Krisenmanager sein muss. Spoiler: Genau so fühlt es sich auch an. In meinem Fall kam noch eine kleine Besonderheit dazu: Ich hatte Personensorge Teil 2 bereits vor Teil 1 absolviert. Das sorgte rückblickend für ein durchaus unterhaltsames intellektuelles Abenteuer. Spätestens in Modul 5 wurde mir klar, dass Terminplanung, Buchungssysteme und Zoom-Schulungszeiten offenbar ihre ganz eigene Dramaturgie entwickeln. Man sitzt da, leicht verwirrt, aber tapfer, und denkt sich: Vielleicht wäre ein zusätzliches Modul „Logistische Geduld und Gelassenheit für Fortgeschrittene“ gar nicht schlecht gewesen. Während der Schulung selbst flogen die Folien…
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5) Freitag, 6. Februar – Modul 5: Der Betreute als Patient – Personensorge Teil 2
Heute saß mir ein Richter gegenüber. Naja – streng genommen saß er in meinem Bildschirm. Onlineunterricht. Personensorge Teil 2, klingt trocken, fühlt sich aber eher an wie ein Blick in die Schaltzentrale menschlicher Schicksale. Ich hatte gelernt. Wirklich. Karteikarten, Notizen, Kaffee in industriellen Mengen. Und ja – ich hatte sogar einige Fälle vorher mit der KI durchgesprochen. Rückblickend betrachtet war das ein bisschen so, als würde man sich von einem sehr selbstbewussten, aber ortsunkundigen Beifahrer den Weg erklären lassen. Einige Fehler bemerkte ich erst während der Prüfungsfragen. Ein kleines inneres „Oh oh“ setzte sich neben mich und blieb dort hartnäckig sitzen. Jetzt heißt es warten – bangen – hoffen. Dabei…
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4) Donnerstag, 9. Januar – Modul 1B oder: Die BGB-Krise
Diesmal war ich vorbereitet. Zumindest dachte ich das. Zwei volle Tage hatte ich mir die Schulungsunterlagen zu Gemüte geführt, alle Fragen brav beantwortet wie eine fleißige Musterschülerin. Betreuerbestellung und Aufgabenbereiche, Anordnung eines Einwilligungsvorbehalts, Genehmigungsvorbehalte einschließlich Verfahren – ich fühlte mich gewappnet. Der Schulungsleiter war ein Richter. Und zwar einer von der Sorte, die Paragraphen atmen wie andere Menschen Sauerstoff. Schon in den ersten Minuten wurde mir klar: Ohne aktuelles BGB bin ich verloren. Dieser Mann wollte keine ungefähren Zusammenfassungen, keine sinngemäßen Wiedergaben. Nein, er wollte Gesetzestexte. Wort für Wort. Schlussfolgerungen, die sich aus dem exakten Wortlaut ergaben. Panik kroch in mir hoch. Hastig tippte ich eine SMS an meinen Mann:…
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3) Montag, 5. Januar – Ins kalte Wasser geworfen
Blauäugig wie ein Erstklässler am ersten Schultag saß ich da vor meinem Bildschirm. Natürlich lag der Stapel Schulungsunterlagen neben mir – säuberlich ausgedruckt, wie sich das gehört. Nur hatte ich diese gefühlten hundert Seiten nicht etwa gelesen, sondern lediglich angeschaut. So, wie man ein ungeliebtes Gemüse auf dem Teller anschaut und hofft, es würde sich in Luft auflösen. Eine Diplom-Rechtspflegerin mit dieser unerschütterlichen Ruhe, die nur Menschen haben, die täglich mit Paragraphen frühstücken, führte den Onlinekurs. Anwesenheitspflicht. Prüfung inklusive. Modul 1A: Das gerichtliche Betreuungsverfahren, Rechte und Pflichten des Betreuers, Berichtspflichten, Auskunfts- und Mitteilungspflichten… Die Worte prasselten auf mich nieder wie Hagelkörner. Und dann – mitten im Unterricht – kam sie:…
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2) Anfang Januar – Das erste Mal in der Behörde
Das Gebäude der Betreuungsbehörde in Ansbach liegt nicht dort, wo ich es vermutet hatte. Ich umrunde den Parkplatz zweimal – und finde dann doch eine Lücke. Beim Aussteigen wäre ich beinahe in einen kleinen Hundehaufen getreten. Drinnen riecht es nach frischer Farbe und ordentlichen Akten. Genau der Duft, den man erwartet, wenn man Verantwortung für fremdes Geld und Leben übernehmen will. Frau M., die Leiterin der Behörde, schaut mich freundlich an. „Warum wollen Sie gesetzlicher Betreuer werden?“ Ich erzähle ein wenig aus meiner Vorgeschichte. „Haben Sie schon eine Schulung besucht?“ Ich schüttle den Kopf. Bis eben wusste ich nicht einmal, dass es Schulungen gibt. Sie schiebt mir einen Zettel über…
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1) Wie alles begann – oder: Die Frau für alle Fälle
Manchmal stolpert man nicht in einen Beruf hinein – manchmal hat er einen schon längst eingeholt, ohne dass man es bemerkt hat. Nur dass ich damals noch dachte, ich würde einfach nett sein. Wenn ich zurückblicke, dann war ich schon immer die, die angerufen wurde. Die mit dem Notizblock am Telefon, die mit den Kontakten, die mit der Hartnäckigkeit eines Terriers, wenn es darum ging, Unmögliches möglich zu machen. Die Frau für alle Fälle. Nur ohne Trenchcoat und Lupe. Da war meine alte Dame. Jahre habe ich sie begleitet, durch gute Tage und durch die schweren, als die Erinnerungen zu verblassen begannen und die Welt immer verwirrender wurde. Ich war…