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4) Donnerstag, 9. Januar – Modul 1B oder: Die BGB-Krise

Diesmal war ich vorbereitet. Zumindest dachte ich das. Zwei volle Tage hatte ich mir die Schulungsunterlagen zu Gemüte geführt, alle Fragen brav beantwortet wie eine fleißige Musterschülerin. Betreuerbestellung und Aufgabenbereiche, Anordnung eines Einwilligungsvorbehalts, Genehmigungsvorbehalte einschließlich Verfahren – ich fühlte mich gewappnet.

Der Schulungsleiter war ein Richter. Und zwar einer von der Sorte, die Paragraphen atmen wie andere Menschen Sauerstoff. Schon in den ersten Minuten wurde mir klar: Ohne aktuelles BGB bin ich verloren. Dieser Mann wollte keine ungefähren Zusammenfassungen, keine sinngemäßen Wiedergaben. Nein, er wollte Gesetzestexte. Wort für Wort. Schlussfolgerungen, die sich aus dem exakten Wortlaut ergaben.

Panik kroch in mir hoch.

Hastig tippte ich eine SMS an meinen Mann: „Hast du noch ein BGB???“ Drei Fragezeichen – die universelle Sprache der Verzweiflung. Seine Antwort ließ mich zwischen Lachen und Weinen schwanken: Er brachte tatsächlich eines. Aus dem Jahr 1986. Die Paragraphen darin – total veraltet. Ich konnte der Ausgabe das Betreuungsgesetz überhaupt nicht finden.

Jetzt wurde es kreativ. Fieberhaft blätterte ich durch meine Unterlagen, kritzelte alle erwähnten Paragraphen auf einen Zettel und schickte meinem geduldigen Ehemann die nächste Hilfsnachricht: „Bitte google mir die aktuellen Fassungen!“

Während er recherchierte – was sich anfühlte wie eine Ewigkeit – ging die Prüfungsbefragung weiter. Der Richter schaute mich erwartungsvoll an. Kein BGB. Keine Rettung. Nur mein Gedächtnis und die Hoffnung, dass ich den gewünschten Paragraphen einigermaßen zusammenfassen konnte.

Zum Glück ließ mich mein Erinnerungsvermögen nicht im Stich. Ich formulierte, erklärte, fasste zusammen – und hoffte inständig, dass meine Worte halbwegs dem entsprachen, was da schwarz auf weiß im Gesetz stand. Mein Stresspegel? Irgendwo zwischen „Herzrasen“ und „Fluchtinstinkt“.

Freitag, 24. Januar – Endlich!

Zwei Wochen des Bangens. Jeder Gang zum Briefkasten ein kleines Drama. Hatte ich bestanden? Oder hatte meine improvisierte BGB-freie Prüfung das Zertifikat gekostet?

Dann, endlich, lag er da: der Umschlag. Mit zitternden Fingern riss ich ihn auf. Meine Augen rasten über das Papier.

Bestanden!

Die Erleichterung war überwältigend. Ich hatte es geschafft – trotz antiquiertem Gesetzbuch, trotz SMS-Notfall-Recherche

Zwei Module geschafft. Und eine wichtige Lektion gelernt: Ein aktuelles BGB und die Gesetzte für das Betreuungsrecht sind kein Luxus. Sie sind überlebens-wichtig.

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