11) Fünf Tage Kommunikationsseminar
8. – 10. April und 20. – 21. April: Kommunikation
Fünf Tage lang saß ich vor meinem Laptop – Kaffee links, Notizblock rechts, irgendwo dazwischen ich. Und überraschenderweise: Es hat sich gelohnt. Mehr als das.
Die Seminarleiterin gehörte zu diesen seltenen Menschen, die trockene Kommunikationsmodelle mit Leben füllen können. Der Eisberg bekam plötzlich Gesichter, der „Teufelskreis“ fühlte sich verdächtig vertraut an, und beim umgekehrten Trichter dachte ich unweigerlich an so manche Gespräche, die ich selbst schon gründlich „verengt“ hatte. Es war ein bisschen entlarvend – aber auf eine Art, über die man schmunzeln konnte.
Was den Kurs besonders machte, waren die Gruppenarbeiten. Immer wieder wurden wir in kleine Runden geschickt, fast wie in digitale Wohnzimmer. Dort ging es nicht um Theorie, sondern um echte Situationen. Ein Kollege erzählte von einem Klienten, der ihn regelmäßig mit „Du Hund“ begrüßte – nicht gerade der klassische Einstieg in ein wertschätzendes Gespräch. Eine andere Betreuerin berichtete, wie sie bei einem Hausbesuch plötzlich einem erhobenen Besenstiel gegenüberstand. Ich saß da, hörte zu und dachte: Willkommen im echten Leben der Betreuung.
Wir haben diese Situationen auseinandergenommen wie ein Uhrwerk: Was passierte auf der Sachebene? Was auf der Beziehungsebene? Und vor allem: Wie hätte man aus dem Teufelskreis aussteigen können? Statt impulsiv zu reagieren – was oft genug passiert – ging es darum, einen Schritt zurückzutreten. Nicht auf die Beleidigung anspringen, sondern das Bedürfnis dahinter suchen. Leichter gesagt als getan, vor allem wenn man selbst innerlich schon auf 180 ist.
Ein Satz blieb mir besonders hängen: „Nicht jede Provokation braucht eine Antwort – aber jedes Verhalten hat einen Grund.“ Klingt simpel. Ist es aber nicht, wenn man mitten im Sturm steht.
Wir übten, wie man Gespräche öffnet, statt sie unbewusst zu verengen. Wie man mit gezielten Fragen den umgekehrten Trichter wieder umdreht. Wie man Grenzen setzt, ohne zu eskalieren. Und wie wichtig es ist, auch mal bewusst zu schweigen – etwas, das mir persönlich erstaunlich schwerfällt.
Ich erkannte mich in vielen Beispielen selbst wieder: In den Momenten, in denen ich zu schnell urteile. In den Gesprächen, die kippen, obwohl sie harmlos begannen. Und in dem Gefühl, manchmal einfach erschöpft zu sein von all den Emotionen, die einem im Betreueralltag begegnen.
Ja, fünf Tage sind lang. Wirklich lang. Am dritten Tag wusste ich nicht mehr, ob mein Kopf voller Input oder einfach nur voll war. Aber gleichzeitig verging die Zeit erstaunlich schnell. Vielleicht, weil es nah dran war an dem, was wir täglich erleben.
Die Seminarleiterin trug den Kurs – mit Humor, Geduld und einer ansteckenden Ruhe. Selbst bei schwierigen Themen hatte sie ein kleines Lächeln übrig, als wollte sie sagen: „Das kennen wir doch alle.“
Am Ende dieser fünf Tage saß ich da: müde, etwas überladen – aber klarer. Ich habe keine Wunderlösungen mitgenommen. Aber Werkzeuge. Und vielleicht noch wichtiger: ein besseres Verständnis dafür, warum Gespräche manchmal schiefgehen – und wie man sie wieder einfangen kann.


